Die Süddeutsche Zeitung schreibt: "Ein Tatsachenreport wie ein Krimi."
Der Zürcher Tages-Anzeiger schreibt: "...Beispiele, die Mut machen."
Die Basler Zeitung schreibt: "Gestützt auf viele Augenscheine und Gespräche berichtet er von der Zerschneidung von Lebensräumen an den aufgerüsteten Außengrenzen Europas."
Das Oberbadische Volksblatt schreibt: "...ist das Kunststück gelungen, ein Handbuch zu verfassen, das sowohl Sachinformationen als auch faszinierende, durchaus persönlich gefärbte Reiseberichte enthält."
Die VCS-Zeitung schreibt: "...zeigt die Bedeutung des Grenzverkehrs, der an verschiedenen Orten bewusst behindert, aufgehoben oder zumindest nicht ausgebaut wird..."
Bürgerrechte & Polizei schreibt: "...lässt in seinen Reportagen lebendige Bilder der Grenzregionen entstehen."
asylkoordination aktuell schreibt: "...sind keine sensationellen Stories gesammelt, werden keine Stereotypen bedient. Leuthardt ist ein aufmerksamer Beobachter der kleinen Dinge und Menschen."
"Süddeutsche Zeitung", München, 18. Oktober 1999
Die Mauern Europas
Hintergrundliteratur zu den Asylrechts-Verhandlungen in Tampere
Autor: Heribert Prantl, Chefredaktion Inland
Wer nun wissen will, was vor und an den Mauern der Festung Europa tatsächlich geschieht, wie sich all die Vorschriften auswirken, der lese das Buch von Beat Leuthardt. Es ist ein Tatsachenreport wie ein Krimi. Und deshalb gerät man auch alsbald ins Grübeln darüber, wer in diesem Täter und wer Opfer ist und was man gegen die Täter und was man für die Opfer tun kann. Es geht nicht nur um Asyl, nicht nur um politische Verfolgung. Leuthardt berichtet auch von den ganz normalen Migranten und den Schicksalen derer, die auf dem Weg in den Goldenen Westen erfroren, erstickt oder ertrunken sind.
Leuthardt, Jurist und Journalist, ist an die Außengrenzen Europas gefahren, nach Spanien, Italien, Albanien, Tunesien, Litauen, Weißrussland und Polen, und hat die Geschichten aufgeschrieben, die ihm dort begegnet sind: Geschichten von Migranten aus Marokko, die mit überladenen Fischerbooten nach Spanien übersetzen und kentern oder von den Fluchthelfern aus dem Boot geworfen werden. Seltsame Erlebnisse vom Strand von Los Lances: "Wie Poseidon steigen aus dem Meer junge Menschen mit dunklem Gesichsteint und in nasser Tuchkleidung, waten an den Schwimmenden vorbei an den Strand und springen dort zwischen den Sonnenschirmen und den nur mäßig verwunderten Sonnenbadenden hindurch, ehe sie sich in die Dünensträucher und Büsche absetzen." Oder die Geschichte vom Polen im Grenzgebiet zu Litauen, der ein paar Leute verköstigt hat und dafür als Fluchthelfer zwei Monate ins Gefängnis musste.
Der Autor schildert, wie es zugeht an den Rändern Europas, wie die Menschen in den Pufferzonen leben und sich wehren gegen Abschottung und alltägliche Einschüchterung. Es sind auch viele Geschichten über den kleinen Widerstand gegen die große Politik. Leuthardt hat schon 1994 ein Handbuch Festung Europa veröffentlicht. Damals, so schreibt er, habe er sich von Staatssekretären und Polizeistrategen in Bonn, Wien und Bern anhören müssen, es gebe keine Festung: "Gehen Sie hinaus, schauen Sie sich um in Europa und zeigen Sie uns die angeblichen Opfer dieser Festung Europa." Genau das hat Leuthardt getan. Das Ergebnis ist so spannend wie bedruckend.
"Tages-Anzeiger", Zürich, 2. November 1999
Am Rande der Festung
Europa schottet seine Aussengrenzen ab. Der Journalist Beat Leuthardt beschreibt, wie sich das auf das Leben der Menschen in den Grenzzonen auswirkt.
Autor: Von Peter Hug, Redaktion Inland
Noch gibt es keine Mauern an den Aussengrenzen der
Europäischen Union, wie sie zwischen Kalifornien und Mexiko
errichtet worden sind. Doch auch ohne sichtbare Mauern werden
Europas Aussengrenzen für Flüchtlinge und ArbeitSuchende immer
undurchlässiger. Den Grenzen vorgelagert sind Pufferzonen, in
denen die nach Westeuropa drängenden Menschen aus dem Süden und
Osten bereits präventiv abgewehrt werden.
Vor dem Entstehen eigentlicher Festungsgrenzen warnt Claudia
Roth, deutsche Bundestagsabgeordnete der Grünen, im Vorwort zum
Buch von Leuthardt. Leider habe die Kritik an dieser Entwicklung
bisher nur einen kleinen Kreis von Insidern erreicht, räumt Roth
ein. Vielleicht auch deshalb, weil es bisher nicht gelungen sei,
die Folgen dieser Politik anhand von Beispielen für eine
breitere Öffentlichkeit anschaulich zu machen.
Der Schweizer Journalist und Jurist Beat Leuthardt schreibt seit Jahren gegen die so genannte Festung Europa an. 1994 erschien sein Handbuch "Festung Europa". Seine Thesen über diese Abschottungspolitik wurden anfänglich als Schwarzmalerei abgetan. Man habe ihm gesagt, so Leuthardt, "gehen Sie doch hinaus, schauen Sie sich um in Europa und zeigen Sie uns dann die angeblichen Opfer dieser Festung Europa." Genau das hat der Basler Journalist nun getan. Sein neues Buch ist keine abstrakte Abhandlung mehr, kein Werk, das bloss für jene geschrieben wurde, die eh schon die Meinung des Autors teilen. Es berichtet von Menschen, die an den Aussengrenzen Europas leben, wie sie die Abschottungspolitik in ihrem Alltag erleben. Wer hilft, wird zum Schlepper Leuthardt hat dazu in den letzten drei Jahren die Grenzen von Gibraltar über Messina und Otranto bis zum Baltikum hinauf abgeklappert. Er erzählt Geschichten von Flüchtlingen und Fluchthelfern, beschreibt wie die europäische Einwanderungsabwehr Menschen zum Misstrauen zwingt, wie nachbarliche Kontakte über die Grenze immer mehr zum Erliegen kommen. Beispiele dafür gibt es viele: Der Taxifahrer, der ausländisch aussehende Fahrgäste nur mitnehmen darf, wenn diese sich zuerst mit einem Personalausweis als legal Anwesende ausweisen können. Ein im Grenzgebiet lebender Pole, der Migranten etwas zu essen gibt und deswegen als Fluchthelfer mit zwei Monaten Gefängnis bestraft wird, usw. Im Zentrum stehen zwar diese Reportageteile, doch sie werden immer wieder unterbrochen durch in etwas kleinerer Schrift gedruckte Hintergrundinformationen. Etwas ungewöhnlich ist zudem die Platzierung des gelbgefärbten "Anhanges" mitten im Buch. Hier finden sich Angaben über die einzelnen Länder und Erklärungen zu Stichworten - vom "Aktionsplan der EU gegen illegale Einwanderung" über das Europol Computer System bis hin zum "Wiener Strategiepapier zur Migrationspolitik", das auf eine Änderung der Genfer Flüchtlingskonvention zielt.
Nicht nur "Linke und Nette"
Der Autor sieht - nicht zu Unrecht - schwarz für die Asyl- und Migrationspolitik. Seine pessimistische Einschätzung schimmert überall durch. Und doch gibt es im Buch auch Beispiele, die Mut machen: Berichte über Menschen, die Flüchtlingen helfen, über die europäischen Aussengrenzen einzureisen. Es sind nicht nur "Linke und Nette", wie eine gewisse Schweizer Partei höhnisch kommentieren würde. Ganz gewöhnliche, unpolitisch denkende Menschen leisten spontan Hilfe, drücken zumindest ein Auge zu und weigern sich, illegal Einreisende der Polizei zu melden. "Ich bin", so sagt einer von ihnen, "gegen diese Methode, Menschen zu Illegalen zu machen."
"Basler Zeitung", Basel, 12. November 1999
Die eisernen Grenzen an den Rändern Europas bringen Menschen viele Sorgen
Autor: Jürg Meyer, Redaktion Basel
"An den Rändern Europas" heisst ein neues Buch des Basler Autors Beat Leuthardt. Gestützt auf viele Augenscheine und Gespräche berichtet er von der Zerschneidung von Lebensräumen an den aufgerüsteten Aussengrenzen Europas.
Im Dreiland pendeln täglich rund eine halbe Million Menschen über die Aussengrenzen der Europäischen Union hinweg in die Schweiz, stellt der Autor fest, Würde da nur schon eine lückenlose Personenkontrolle durchgesetzt, so müsste dies unverzüglich die gesamte Wirtschaft lahmlegen. Was hier undenkbar sei, werde an den meisten Aussengrenzen der EU und ihrer zukünftiger Beitrittskandidaten mit Härte erzwungen. Dies belegt der Autor mit vielfältigen Augenscheinen und Interviews. Da werden zusammenhängende Regionen mit gemischten Völkerschaften mit neuen Visumspflichten, rigorosen Personen- und Warenkontrollen, Zollinformatiksystemen,in den Meereszonen auch mit Polizeischiffen zerschnitten.
Taxichauffeure haben sich unter Strafandrohungen zu vergewissem, dass ihre Kundinnen und Kunden legale Aufenthaltsrechte haben. Dasselbe gilt auch für Haushalte, die Menschen in Gastfreundschaft aufnehmen. Eisenbahnzüge sind in Nachbarschaft von langen Autokolonnen zu vielstündigen Zollhalten gezwungen.
Die Folgen zeigt der Autor unter anderem am Beispiel des Dorfes Solonco, zerschnitten von der ukrainisch-slowakischen Grenze. Zum Besuch von Verwandten und Freunden, die als Nachbarn gerade jenseits der Grenze leben, sind seit einigen Jahren Tagesreisen nötig. Im litauisch-weissrussischen Grenzgebiet bildet ein Bahngeleise die Grenze des Dorfes Adutiskis. Je nach Zugehörigkeit haben Reisende auf unterschiedlichen Seiten der Waggons auszusteigen. Grenzübertritte ohne Visa sind nur noch Einheimischen im Rentenalter zum gemeinsamen Kirchenbesuch gestattet, Die ohnehin trostlose Wirtschaftslage der Menschen verschlechtert sich noch zusätzlich, je mehr der Handel im Grenzverkehr verunmöglicht wird.
Wer sind die Migranten und Migrantinnen, die mit solchen Massnahmen schon in den Aussenzonen der Europäischen Union abgewehrt werden? Im litauischen Ausschaftungszentrum Pabrade stiess der Autor unter anderem auf Sahra Tarhvedi, frübere Inhaberin eines Damencoiffeursalons in Teheran. "Bei uns herrscht Islam, da braucht es dich nicht", sagte man ihr. Ihr Laden wurde kaputtgemacht. Dann flüchtete sie. In der überwiegenden Mehrheit seien es einfache Menschen, sagen selbst Polizeikommissare. Nach wie vor neigen viele Bewohner zu Gastfreundschaft.
Wer wirklich Geld habe, unter anderem aus Kriminalität, finde stets Wege zur Umgehung der Mauern, folgern befragte Personen. Beängstigend sei. dass heute in grossen Teilen der Welt die Heimat den in ihr geborenen Menschen keine reale Zukunft zu bieten vermöge, stellt der Autor fest. Diese Kernursache von Migration bleibe mit den EU-Abwehrkonzepten unberührt.
"Oberbadisches Volksblatt", (Weiler Zeitung), 4/5. Dezember 1999
Was es bedeutet, im Vorhof des gelobten Landes zu leben
Beat Leuthardts neuestes Buch: "An den Rändern Europas - Berichte von den Grenzen"
Autorin: Dorothee Philipp, Redaktion Kultur Weil am Rhein
BASEL. Die Welt ist eine Scheibe und an ihren Rändern lebt es sich gefährlich. Das glaubten nicht nur unsere Vorfahren, offenbar gewinnt diese Sicht der Dinge an der Schwelle zum dritten jahrtausend wieder neues Gewicht. Die Lektüre von Beat Leuthardts jüngstem Buch "An den Rändern Europas - Berichte von den Grenzen" jedenfalls vermittelt diesen Eindruck. Der Basler Journalist und Autor mehrerer Sachbücher, darunter auch die Titel "Festung Europa" und "Leben online", deren Rezensionen in großen überregionalen deutschen Tageszeitungen erschienen sind, hat drei Jahre lang an den Rändern der imaginären Scheibe Europa recherchiert, was es heißt, an einer europäischen Außengrenze zu leben und weiche Folgen das Schengener Abkommen für die Menschen dort hat.
Er reiste nach Litauen, in die Ukraine, an die Grenze zwischen Österreich und Slowenien und auch an jenen Ort, an dem für unsere Vorfahren die ScheibenWeit zu Ende war: an die "Säulen des Herkules", die Meerenge von Gibraltar. Und er machte sich an der italienischen Südküste ein Bild vom Elend der Flüchtlinge, die in Schlauchbooten über die Adria kommen.
In einer unaufgeregt sachlichen Art berichtet Leuthardt vom Umgang der Randbewohner mit den Menschen, die nicht das Glück hatten, diesseits der Grenze geboren zu sein und die versuchen, innerhalb der Zäune Zuflucht vor Hunger und Verfolgung zu finden. Er berichtet vom wachsenden Druck, den die reichen Länder Europas wie Deutschland und Frankreich auf ihre ärmeren Nachbarn ausüben, denen das Schengener Abkommen die Aufgabe zugewiesen hat, Flüchtlinge am Überschreiten der Außengrenzen zu hindern. Und er berichtet von den vielfach tödlich endenden Versuchen Verzweifelter, die Grenzen trotz der Zäune und Kontrollen zu überqueren.
Die ganze Stoßrichtung der aggressiven europäischen Abschottungspolitik offenbart sich in den einzelnen Porträts von Menschen, deren Alltag bedeutet, in einer zerschnittenen Welt zu leben. So berichtet der Autor beispielsweise von einem Dorf, das von der EU-Außengrenze in zwei Teile zerschnitten wird, einen ukrainischen und einen slowakischen. Von dem einen Teil zum anderen ist ein Umweg von 50 Kilometern notwendig, dazu kommen stundenlange Grenzkontrollen. Früher, kurz nach der Teilung hätten die Leute noch über die 20 Meter Distanz ab und zu miteinander gesprochen, doch das lasse immer mehr nach, berichtet eine Frau.
Leuthardts 'Buch ist Sachbuch und Reportage in einem, in einem gesonderten Teil hat er in komprimierter Form eine Fülle von Daten und Fakten zusammengetragen, die für das Verständnis der neuen europäischen Situation unerlässlich sind. Ihm ist das Kunststück gelungen, ein Handbuch zu verfassen, das sowohl Sachinformationen als auch faszinierende, durchaus persönlich gefärbte Reiseberichte enthält. Dabei kommt ihm sein distanzierter Schreibstil zugute, der die Emotionen dem Leser überlässt. Leuthardt versucht nicht, Analysen zu erstellen und Schuldige für das ungeheuere menschliche Drama zu finden, das sich täglich an den Grenzen unserer Wohlstandsinsel abspielt. Er beschränkt sich auf präzise Schilderungen dessen, was er erlebt hat. Die Vielzahl von Kontakten zu Privatpersonen und Vertretern von staatlichen Institutionen, die er bei seinen Reisen geknüpft hat, stellt eine gewisse Objektivität her, die nur dann gewährleistet ist, wenn man sich nicht nur auf eine Handvoll Quellen berufen kann. Kartenskizzen und Fotos von den verschiedenen Gesprächspartnerinnen und -partnern ergänzen die in übersichtliche Einheiten gegliederten Texte. Ein wichtiges Buch, das die täglichen Zeitungsmeidungen vom schönen neuen Europa in einem neuen, beklemmenden Blickwinkel erscheinen lässt.
"VCS Zeitung", Bern, Nr. 1/2-2000
An den Rändern Europas
Autorin: Anne-Lise Hilty
Europa gibt sich offen, weltoffen sozusagen, doch seine Offenheit hat Grenzen im wörtlichen Sinn. Und sie werden immer undurchlässiger. An Stelle von freundnachbarschaftlichen Beziehungen entstehen Misstrauen und Gleichgültigkeit. Ein guter Indikator für die Beziehungen über Grenzen hinweg ist der Verkehr. Reger Verkehr ermöglicht intensive Kontakte. Die Leute lernen sich kennen, tauschen Waren und Ansichten aus. Wo er fehlt oder gar abgebaut wird, entstehen Misstrauen und Abwehr. Die Leute werden sich fremd.
Beat Leuthardt ist den Grenzen Europas von Andalusien bis Litauen und von der Ukraine bis Sizilien nachgereist. In zahlreichen Geschichten beschreibt er, was er gesehen und erlebt hat, erzählt von Abgewiesenen und Aufgenommenen, von Schleppern und Flüchtlingshelfern. Seine Erlebnisse ordnet er ein in die Abschottungsstrategie Europas mit seiner Asyl- und Migratonspolik. Er zeigt die Bedeutung des Grenzverkehrs, der an verschiedenen Orten bewusst behindert, aufgehoben oder zumindest nicht ausgebaut wird, zum Beispiel zwischen Österreich und der Slowakei. Im Gegensatz etwa zum Dreiländereck um Basel, einer andern Aussengrenze Europas, wo häufig, flexibel und unbürokratisch verkehrt wird, werden an der Ostgrenze Zugverbindungen gestrichen und der Grenzverkehr erschwert. Damit, so Leuthardt, verabschieden sich die westeuropäischen Staaten von eine der Kernfunktionen grenzüberschreitender Bahnen, nämlich der, die Menschen in zwei benachbarten Grenzräumen und Grenzregionen auf günstige, einfache und rasche Weise einander näher zu bringen.
"Bürgerrechte & Polizei", Berlin, Nr. 3/1999
Schwerpunkt: Community Policing
Autor: Heiner Busch
Die spanischen und italienischen Küsten, Österreichs Grenzen zur Slowakei, zu Ungarn und Slowenien, die mittel- und osteuropäischen Pufferstaaten Ukraine, Polen, Litauen, Belarus Beat Leuthardt hat die Außengrenzen Europas aufgesucht und läßt in seinen Reportagen lebendige Bilder Der Grenzregionen entstehen. Er zeigt, wie diese Grenzen im Westen der früheren Sowjetunion überhaupt erst entstanden und im Laufe des Jahrzehnts polizeilich gesichert wurden. Die Abschottung des reichen Europas gegen Flüchtlinge und MigrantInnen aus dem Süden und Osten erscheint in diesem Buch nicht nur als Papertiger. Sie erschöpft sich nicht in sterilen Berichten und Plänen aus EU-Polizeizirkeln, sondern erhält durch die Erzählungen und Meinungen der Befragten eine konkrete Gestalt. Der Basler Journalist interviewte nicht nur ExpertInnen RepräsentantInnen der Grenzpolizeien einerseits, von Menschenrechtsorganisationen andererseits. Er läßt vielmehr auch die normalen Leute zu Wort kommen: die litauische Bäuerin, die indischen Flüchtlingen ein Zimmer vermietet hat, den Taxifahrer, der trotz Verbots immer noch Illegale fährt, die ausgeklinkte Popsängerin, die vom Blick auf die nahe Küste Afrikas schwärmt, und natürlich auch diejenigen, die es nur mit Mühe und Not geschafft haben, die Festungsgräben zu überqueren.
"asylkoordination aktuell", Wien, Nr. 4/99
Botschaften von den Grenzen
Autor: Herbert Langthaler
Beat Leuthardt haucht mit seinen Reportagen von den Rändern der Festung Europa den trockenen Fakten über Abschottung und europaweiter Harmonisierung des Migrationswesens Leben ein. Von den spanischen Enklaven in Marokko bis nach Weißrussland, von Sizilien bis Litauen führten ihn seine Recherchereisen, um zu ergründen, was hinter den Agenturmeldungen steckt, was das Leben an der Grenze für die konkreten Menchen bedeutet.
Von der Hilfsbereitschaft der südspanischen Küstenbewohner wird berichtet, von den immer härter werdenden Einreisekonrollen an der italienischen Adria, vom kleinen Grenzverkehr zwischen Sloiwenien und Österreich und geteilten Dörfern an der slowakisch/ukrainischen Grenze. Besonders spannend sind Leuthardts Geschichten über Menschen und Grenzen in der Ukraine, in Weißrussland oder Litauen, Ländern, über die in den Nachrichtenmagazinen selten berichtet wird. Entang der Fluchtrouten nach Westeuropa in entlegenen Grenzdörfern und auf überlaufenen Zollstationen ging der Schweizer Journalist der Frage nach, was die neuen Grenzen mit den Menchen machen, die sie trennen. In An den Rändern Europas sind keine sensationellen Storys gesammelt, werden keine Stereotypen bedient. Leuthardt ist ein aufmerksamer Beobachter der kleinen Dinge und Menschen. Innenminister, Polizeichefs und Experten kommen bei ihm nicht zu Wort.
Aber es bleibt nicht bei empirischen Befunden. Repartageteile wechseln sich mit Informationsblöcken ab, und auf dem 23seitigen Mittelteil werden ergänzende Daten und Stichworte geboten.